Dieses Jost Nickel Fill hat mich umgehauen!

Du möchtest schnelle, moderne Drumfills spielen, ohne dass Hände und Bassdrum durcheinandergeraten? In diesem Schlagzeugtutorial zeige ich Dir ein Fill von Jost Nickel, das zunächst spektakulär wirkt, sich aber auf zwei überschaubare Bausteine reduzieren lässt. Wenn Du beide Gruppen langsam und sauber aufbaust, kannst Du Dich Schritt für Schritt an die 32stel-Anwendung herantasten.

Warum mich dieses Jost-Nickel-Fill begeistert

Das Fill stammt aus einem Live-Intro, das Jost Nickel mit Jan Delay und Disko No. 1 gespielt hat. Einer meiner Schüler wollte wissen, was dort genau passiert. Beim Zerlegen zeigt sich: Hinter dem komplexen Höreindruck stecken lediglich eine Vierergruppe und eine Zweiergruppe.

Die Originalanwendung basiert auf 32stel-Noten. Davon solltest Du Dich nicht abschrecken lassen. Ich empfehle Dir, das Fill zunächst mit halber Geschwindigkeit als 16tel-Phrase zu üben. So wird aus einem scheinbar unerreichbaren Lick eine klare Koordinationsübung.

Baustein 1: Die Vierergruppe

Für die Vierergruppe kombiniere ich Hände und Fuß in dieser Reihenfolge:

  • Lauter Akzent mit der Führungshand – bei mir ist das die rechte Hand.
  • Leise Ghost Note mit der linken Hand.
  • Eine weitere leise Ghost Note mit der linken Hand.
  • Ein Schlag mit der Bassdrum.

Ghost Notes sind sehr leise Schläge, die hier auf der Snare gespielt werden. Wichtig ist, dass Du den Puls auf dem Akzent der Führungshand empfindest – nicht auf dem anschließenden Bassdrum-Schlag. Nur so bleibt die Phrase stabil und klingt nicht verschoben.

So übst Du die Vierergruppe

  • Stelle Dein Metronom auf 60 BPM.
  • Spiele einen Takt Groove.
  • Spiele einen Takt lang die Vierergruppe als durchgehende 16tel-Noten.
  • Wiederhole diese zwei Takte in einer Dauerschleife.
  • Bewege anschließend nur den Akzent Deiner Führungshand über verschiedene Instrumente des Drumsets, während Ghost Notes und Bassdrum unverändert bleiben.

Diese kontrollierte Orchestrierung ist ein wichtiger Teil von gutem Schlagzeugunterricht: Du veränderst zunächst nur eine Sache und behältst dadurch Timing, Dynamik und Bewegungsablauf im Blick.

Baustein 2: Die Zweiergruppe

Die Zweiergruppe ist deutlich einfacher. Sie besteht aus:

  • einem Akzent mit der Führungshand,
  • einer Ghost Note mit der anderen Hand.

Übe auch diese Gruppe zunächst langsam und achte auf einen deutlichen dynamischen Unterschied zwischen Akzent und Ghost Note.

Die Gruppenfolge des kompletten Fills

Jetzt setze ich beide Bausteine in dieser Reihenfolge zusammen:

2 – 4 – 2 – 4 – 4

Du spielst also:

  • die Zweiergruppe,
  • die Vierergruppe,
  • die Zweiergruppe,
  • die Vierergruppe,
  • noch einmal die Vierergruppe.

Insgesamt entstehen 16 Schläge. Als 16tel-Noten füllt die Phrase einen ganzen Takt. Wenn Du das Tempo der Phrase verdoppelst und dieselben 16 Schläge als 32stel spielst, dauert das Fill nur noch einen halben Takt.

Vom langsamen Ablauf zur 32stel-Anwendung

Bleibe zuerst bei 60 BPM und spiele die komplette Folge als 16tel-Noten auf der Snare. Wenn die Abfolge sicher sitzt, kannst Du sie bei gleichem Puls als 32stel ausprobieren.

Verdopple das Tempo der Phrase aber erst, wenn alle Schläge gleichmäßig platziert sind. Achte besonders darauf, dass die Bassdrum nicht ungewollt gleichzeitig mit dem nächsten Akzent landet. Wenn die Koordination neu für Dich ist, erhöhe das 16tel-Tempo zunächst in Fünfer- oder Zehnerschritten. Sauberkeit ist wichtiger als Geschwindigkeit.

Wie lange der Weg zu stabilen 32steln dauert, hängt von Deiner Erfahrung mit Tempo, Koordination und Technik ab. Manchmal reichen ein oder zwei Wochen, manchmal braucht die Entwicklung Monate oder sogar Jahre. Ein kurzes Tutorial zeigt die Stationen kompakt – die sichere Umsetzung entsteht durch geduldiges Üben.

So orchestriere ich das Fill am Drumset

Sobald Hände und Bassdrum zuverlässig zusammenspielen, verteile ich die Akzente über das Set:

  • Der erste Akzent liegt auf der Snare.
  • Der nächste Akzent wandert auf die Hi-Hat.
  • Danach folgen Akzente auf Hängetom und Standtom.
  • Die leisen Schläge bleiben überwiegend als Ghost Notes auf der Snare.
  • Die Bassdrum beendet jeweils die Vierergruppen.
  • Auf der folgenden Zählzeit 1 setze ich einen lauten Flam.

Ein Flam besteht aus einem sehr leisen Vorschlag und einem direkt folgenden Hauptschlag. Beide Hände treffen dabei minimal versetzt aufeinander, sodass ein breiter, kraftvoller Klang entsteht.

Beim ersten leisen Schlag nach dem Snare-Akzent ist die genaue Orchestrierung in der Aufnahme nicht völlig eindeutig: Er kann als Ghost Note auf der Snare oder als Hi-Hat-Schlag interpretiert werden; die Hi-Hat ließe sich dabei mit der Hand spielen oder mit dem Fuß treten. Ich beginne für die Übung mit einer Ghost Note.

In der schnellen Anwendung startet das Fill auf Zählzeit 3. Der 32stel-Lauf nimmt die zweite Takthälfte ein, auf der nächsten Zählzeit 1 folgt der laute Flam. Danach entsteht eine längere Pause, bevor der Groove auf der nächsten Eins weitergeht. Zum Herantasten kannst Du die Anwendung nach 60 BPM auch bei 70 und 80 BPM testen.

Was dieses Fill für dein Repertoire so wertvoll macht

Für mich ist dieses Fill mehr als eine spektakuläre Phrase. Es trainiert gleichzeitig:

  • die Koordination zwischen Händen und Bassdrum,
  • den dynamischen Kontrast zwischen Akzenten und Ghost Notes,
  • die Beweglichkeit der Führungshand am Drumset,
  • den Wechsel von 16tel- zu 32stel-Noten,
  • die musikalische Orchestrierung einer festen rhythmischen Idee.

Wenn Du Schlagzeug online lernen möchtest, ist genau dieses systematische Zerlegen besonders hilfreich: Erst stabilisierst Du den Bewegungsablauf, dann veränderst Du die Orchestrierung und erst danach steigerst Du die Geschwindigkeit.

Häufige Fragen zum Fill

Muss ich das Fill sofort als 32stel spielen?

Nein. Ich empfehle Dir ausdrücklich, mit 16tel-Noten bei 60 BPM zu beginnen. Die langsamere Version funktioniert bereits als eigenständiges Fill und schafft die Grundlage für die schnelle Anwendung.

Warum liegt der Puls nicht auf der Bassdrum?

Der Akzent der Führungshand markiert den Beginn der Vierergruppe. Wenn Du stattdessen die Bassdrum als Puls empfindest, kann sich die Phrase verschieben. Orientiere Dich deshalb konsequent am Handakzent.

Kann ich die Orchestrierung verändern?

Ja. Sobald die Grundfolge sicher ist, kannst Du die Gruppen anders anordnen, die Akzente auf andere Instrumente verteilen und mit weiteren dynamischen Möglichkeiten experimentieren. Verändere aber immer nur so viel, dass die rhythmische Grundlage stabil bleibt.

Gibt es eine Notation zur Übung?

Ich habe eine ausführliche PDF-Datei mit der Herleitung und zusätzlichen Ideen zu Gruppenanordnung, Orchestrierung und Dynamik erstellt. Den Download findest Du in der Videobeschreibung.

Fazit: Erst sauber, dann schnell

Wenn Du dieses Prinzip in Deinem Schlagzeugunterricht beherzigst, wird aus dem beeindruckenden Jost-Nickel-Fill eine logisch aufgebaute Übung: Vierergruppe lernen, Zweiergruppe ergänzen, die Folge 2 – 4 – 2 – 4 – 4 stabilisieren, Akzente orchestrieren und das Tempo geduldig steigern. Nimm Dir die Zeit, jeden Schritt gleichmäßig und kontrolliert zu spielen. Dann wächst nicht nur dieses Fill, sondern auch Deine Koordination, Dynamik und Beweglichkeit am gesamten Drumset.

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Wenn Du noch eine weitere Fill-Idee mit Bezug zu Jost Nickel kennenlernen möchtest, lies meinen Beitrag „Dieses Schlagzeug-Fill verbindet Phil Collins mit Dave Grohl und Jost Nickel“.

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